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„Wir hatten so viel Herzblut reingesteckt“


Es sollte das Frühjahr ihres Lebens werden: Letzter Schultag, Abi schreiben, mündliche Prüfungen überstehen und dann vor allem eins: Freuen und feiern. Doch dann kam die Corona-Pandemie und mit ihr schwanden Woche für Woche die Hoffnungen auf eine ganz normale Abizeit mit allem, was dazugehört. Wie fühlt man sich da? Nicole Lohse, 18 Jahre, vom DPFA-Regenbogen-Gymnasium Augustusburg hat es uns erzählt.

Trotz allem noch ein Lächeln auf den Lippen: Nicole Lohse ist Abiturientin am DPFA-Regenbogen-Gymnasium Augustusburg. Die schriftlichen Prüfungen in ihren Leistungskursfächern Mathematik und Physik hat sie gerade hinter sich. Doch das mit ihren Mitschülern ordentlich zu feiern, wird in diesem Jahr so nicht möglich sein. Foto: DPFA/Caroline Lindner

Die schriftlichen Prüfungen sind geschafft - wie lief es denn bei dir?

Ich bin total froh, denn es kam genau das dran, worauf ich mich vorbereitet hatte, auch wenn die Aufgaben in Mathe etwas anders aufgebaut waren, als in den Jahren davor. Ich hatte auch das Glück, dass ich in jeder Woche nur eine Prüfung hatte und nicht mehrere direkt hintereinander.

Die Corona-Pandemie hat die vergangenen Wochen komplett auf den Kopf gestellt – wie ging es dir damit?

Ich persönlich fand es am schwersten, die Unsicherheit auszuhalten: Schreiben wir das Abi? Schreiben wir es nicht? Das war komisch und auch demotivierend fürs Lernen. Aber als dann klar war, dass die Prüfungen stattfinden, war das für mich voll ok. Wir hatten, zumindest wenn wir die Wochen davor nicht komplett in den Ferienmodus verfallen sind, noch genug Zeit, uns vorzubereiten. Die Lehrer haben uns auch richtig gut betreut. Wir konnten uns bei Fragen jederzeit per Mail melden. Vor allem in Physik fehlte uns noch ein ganzes Themengebiet… und sich alleine zu Hause Atomphysik beizubringen, ist dann doch nicht so ganz ohne!

Für euch gab’s keinen letzten Schultag, der sonst groß mit Programm und Party begangen wird, es wird kein Abiball stattfinden können und auch sonst keine ausgelassenen Privatfeten...

Ich bin echt enttäuscht. Es ist leider nicht das, was man sich unter einer Abizeit vorstellt. Wir hatten schon vor einem Jahr angefangen, uns für die Vorbereitungen zu treffen. Wir hatten vier Gruppen gebildet: Abiball, Abizeitung, letzter Schultag und ein Ausflug für ein paar Tage hier in der Region. Zum Glück waren wir schon letztes Schuljahr auf Abschlussfahrt in Rom! Aber wir haben wirklich viel Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt und einen großen Aufwand betrieben – ein Programm auf die Beine gestellt, Reden geschrieben, Geld gesammelt… Wir wollten nach der Zeugnisausgabe im Schloss Augustusburg nach Chemnitz fahren und dort im Ballhaus Hilbersdorf feiern, den Lehrern ‚Danke‘ sagen… das wird in der Form jetzt nicht stattfinden. Das ist echt frustrierend, wenn man daran denkt, wie viel Zeit und Nerven wir in die Planung gesteckt haben und wie groß die Vorfreude war. Immerhin geht jetzt der bislang längste Abschnitt unseres Lebens – die Schule – zu Ende. Aber es gibt schon Pläne, das vielleicht im Herbst nachzuholen. Zumindest habe ich die Hoffnung auf eine feierliche Zeugnisausgabe noch nicht aufgegeben. Wenn das möglich wäre, würde das für mich persönlich schon vieles rausreißen!

Abitur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen: Mundschutzpflicht im Schulhaus, Mindestabstände und das Desinfektionsmittel immer griffbereit. Foto: DPFA Augustusburg

Wie geht’s bei dir nach dem Abi weiter?

Ich habe im Februar die Eignungsprüfung für Lehramt Kunst an der TU Dresden bestanden. Dort studiere ich dann ab Oktober auf Lehramt Kunst und Mathematik. Das Schlimmste für mich wäre, wenn der Studienbeginn online stattfinden müsste. Diese Anfangs- und Kennlernzeit ist ja ganz besonders. Zur Eignungsprüfung waren wir 25 Leute und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Ich freue mich eigentlich darauf, alle wiederzusehen und Freundschaften zu knüpfen.

Wird die Corona-Pandemie die Welt verändern, was meinst du?

Mit Sicherheit. Ich bin davon überzeugt, dass ein so großer Einschnitt in das Leben jedes Einzelnen immer Folgen haben wird. Dabei geht es einerseits natürlich um wirtschaftliche Schäden, andererseits aber eben auch um gravierende soziale Nachwirkungen. Ob die allerdings immer negativ sein müssen, weiß ich nicht. Vielleicht lernen wir gerade dadurch, die Gemeinschaft mit anderen Menschen, seien es Freunde, Familie oder nur einfache Bekannte, mehr zu schätzen.