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Mathe-Unterricht als Video für zu Hause


Die Abiturprüfungen in Sachsen sind angelaufen: Was schon zu „normalen“ Zeiten ein absoluter Stresstest für die Zwölftklässler ist, wird zur besonderen Herausforderung in der Corona-Pandemie – für Schüler, Eltern und Lehrer. Am 5. Mai steht für 23 Abiturienten des DPFA-Regenbogen-Gymnasiums Augustusburg die Abschlussprüfung im Fach Mathematik an. Dr. Peter Nestler ist der zuständige Fachlehrer für die Klassen 8 bis 12 und der Informatiklehrer der Schule.

Dr. Peter Nestler ist Informatiklehrer am DPFA-Regenbogen-Gymnasium in Augustusburg und daher von Haus aus Experte für digitales Lernen. Er hielt schon lange vor der Corona-Pandemie Unterricht via iPad. Foto: DPFA Augustusburg

Herr Dr. Nestler, wie sieht eine typische Arbeitswoche bei Ihnen aktuell aus?

Der Hauptteil der Woche besteht darin, die Kommunikation mit den Schülern über die digitale Lernplattform des Freistaats „Lernsax“, per Mail und „Discord“ (Kommunikationsserver mit vielen Möglichkeiten aus dem Spielebereich) aufrecht zu erhalten und die zugesendeten Aufgaben zu korrigieren. Der Schüler Konrad Weiß (Klasse 11) hat für unsere Schule die Kommunikationsplattform „Discord“ nach unseren Bedürfnissen konfiguriert. Die Erreichbarkeit ist aktuell vor allem für die Abiturienten sehr wichtig. So gegen Freitag plane ich die nächste Woche: Welche Themen sollen behandelt werden? Wie kann ich diese am besten dem Schüler vermitteln? Welche Aufgaben wähle ich aus? Spätestens sonntags beginne ich mit der Produktion von Videobotschaften für meine Schüler. Dazu erstelle ich mit dem Pencil auf meinem iPad das Tafelbild zum jeweiligen Stoff, rechne Aufgaben vor und erläutere dabei den Rechenweg. Das ergibt dann ein Video von 10 bis 20 Minuten, das ich bei „Lernsax“ für die Schüler hochlade. Die Rückmeldungen dazu – insbesondere von den Eltern – sind äußerst positiv.

Ist diese Art von Unterricht und Kommunikation eine Herausforderung für Sie gewesen, seit Mitte März die Schulen schließen mussten? Schüler und insbesondere Abiturienten waren verunsichert, wie es weitergeht.

Wir waren in dieser Hinsicht zum Glück schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gut aufgestellt, da wir schon frühzeitig versucht haben mit digitalen Medien zu arbeiten. In den Medien hört man oft den Begriff vom „digitalen Unterricht“, ohne dass dieser näher spezifiziert wird. Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten im nichtschulischen Bereich und natürlich als Informatiklehrer konnte ich diesen Begriff umgehend mit Leben erfüllen. Bereits seit September vorigen Jahres halte ich meinen Unterricht mit iPad und digitalem Lehrbuch. Auf dem iPad entwickle ich das Tafelbild, das dann über den Datenprojektor an die Wand geworfen wird. Schüler, die krank sind, können das Tafelbild etc. per Mail zugeschickt bekommen.

Aufteilung auf mehrere Klassenräume, Abstand unter den Schülern, Schutzmasken und Desinfektionsmittel: In diesem Jahr müssen die Schulen einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand stemmen, um die Abiturprüfungen durchführen zu können. Foto: pixabay.de

Allein das Wort „Mathe-Abitur“ verursacht bei so manchem Schüler Magengrummeln. Wie geht es den Abiturienten damit, dass nun auch die Rahmenbedingungen für diese Prüfungen so besonders sind?

Ich habe den Eindruck, dass die Schüler vor allem das Abitur im Kopf haben und sich darauf konzentrieren. Ein Abitur zu schreiben ist an sich schon besonders und auch wenn wir Corona nicht hätten, wäre die Situation besonders. Unsere Schulleitung hat alle organisatorischen Fragen bestens geklärt und die Schüler sehr gut darauf vorbereitet. Die Schüler waren vergangene Woche noch einmal für drei kompakte Tage in der Schule, an denen wir noch so manche fachliche Frage und Aufgabenstellung in Leistungskursfächern durchgehen konnten. Wir bereiten uns im Fach Mathematik bereits seit Anfang Februar intensiv auf das schriftliche Abitur vor.

Wie lief die Betreuung der Abiturienten in den vergangenen Wochen im Homeschooling ab?

Die Zwölfer haben von mir ein wöchentliches Update mit neuen Aufgaben (inklusive Audio-Datei mit wichtigen Hinweisen) bekommen – wir haben uns vor allem mit speziellen Aufgaben beschäftigt, die in den vergangenen Jahren bei den Abitur-Nachprüfungsterminen gestellt wurden. Diese sind weder im Internet noch im Buchhandel zu finden. Wir nutzen auch das Portal „SchulLV“, eine deutschsprachige Online-Lernplattform mit Original-Prüfungsaufgaben aller Bundesländer und Schularten inklusive Lösungen. Zusätzlich habe ich für die Abiturienten ein Login besorgt, mit dem sie Zugang zu einer digitalen Version von Lehrbüchern haben, die sie nicht besitzen. Und wenn jemandem etwas unklar ist, kann er sich natürlich jederzeit bei mir melden.